Bericht CTT55+ Oktober-Wanderung „Streuobst und Planeten“   (Siegfried)

Es fanden sich acht Wanderfreunde im „Zentrum unseres Sonnensystems“, an der Station „Sonne“ des Planetenwegs Untersiemau, ein. Leider beeinträchtigten die letzten Zellen eines Regengebiets den Wandertag. Zunächst konnten die Teilnehmer einen Ausblick auf den Itzgrund nach Süden zumindest zu den Windrädern Welsberg und nach Norden zur Veste nehmen. Der Bleßbergblick war leider durch den Nieselregen verwehrt. Wanderführer Siegfried, der für den erkrankten Werner Heidenreich eingesprungen war, gab am Startpunkt eine kurze Erläuterung zu dem von dem Untersiemauer Herbert Gockel im Jahr 1988 geschaffenen Planetenweg, der von Untersiemau bis nach Unnersdorf (Station Pluto) führt.

An den einzelnen Planetenstationen gab Siegfried (Physiklehrer) fachliche Erläuterungen zum Sonnensystem und illustrierte die Entfernungsrelationen wie auch die wirkenden Kräfte der Sonne auf die Himmelskörper. Für die inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars, alle fast in „Steinwurf“-Weite zur „Sonne“ schien alles plausibel. Spätestens bei Jupiter (am Dorfrand), erst recht bei Saturn („Sonne“ von hier mit Fernglas erkennbar) dräute auch dem Laien die gewaltige Kraft der Gravitation – der schwächsten übrigens unter den physikalischen Wechselwirkungen. (Anmerkung: Der im Modell stecknadelgroße Pluto -in Unnersdorf- wird von der „8 km entfernten“ „Sonne“, im Modell mit ca. 1,70 Meter Durchmesser auf eine Umlaufbahn gezwungen!!! – Seit 2006 ist Pluto in die 2. Liga, die der Zwergplaneten, abgestiegen.)

Auf dem Weg zu Jupiter und Saturn passierte die Gruppe zunächst das Kelterhaus des Ortsvereins, der die Kultur des Streuobsts bewahrt. Am „Unteren Schloß“ gab Siegfried einige Informationen zur Untersiemauer Geschichte. Zudem wäre hier im Modell des Sonnensystems der Asteroidengürtel anzusiedeln. Nach Verlassen des Dorfs, hinter Jupiter, säumten die Obstbaumbestände das Sträßchen nach Zilgendorf. Dem langjährigen, kürzlich verstorbenen Patron der Streuobstkultur, Ewald Truckenbrod zu Ehren ist am Beginn der Streuobstwiese eine Gedenktafel gewidmet. 34 Apfel- und 16 Birnensorten sind dokumentiert. Informationstafeln und Lehrobjekte begleiten uns bis zur Station Saturn, ebenso die blauen Fähnchen an den Bäumen zur Anzeige, dass diese Obstbäume von Einheimischen „gestrichen“ (= gegen geringes Entgelt ersteigert) wurden.

An der Saturnstation ist ein Viertel des gesamten Planetenwegs abgelaufen. Von hier aus haben wir einen Ausblick auf das „nahe“ (im realen Planetensystem 1500 Millionen km entfernte) Untersiemau mit dem Startpunkt „Sonne“, im Niesel aber dennoch deutlich zu erkennen. Die im Hintergrund liegende Veste und der Thüringerwald mit dem dominanten Bleßberg waren heute witterungsbedingt nicht zu erblicken.  Zur Überraschung der Teilnehmer hatten Siegfried und Rosalinde hier naturreinen Apfelsaft zur Verkostung bereit, um die Streuobstphilosophie auch sensorisch erlebbar zu machen. Ein Geschmackserlebnis der besonderen Art! Physiker Siegfried macht auch noch aufmerksam darauf, dass das Thema der Wanderung nicht nur den zufällig am Weg liegenden Gegebenheiten geschuldet ist, sondern dass es zwischen (Streu-)Obst und Planeten auch einen „direkten“ Zusammenhang gibt: Der Legende nach fand im Jahr 1665 Isaac Newton das das Planetensystem beherrschende Gravitationsgesetz, als er unter einem Baum sitzend von einem fallenden Apfel (der Sorte „Flower of Kent“) getroffen wurde und sich die Frage stellte „Warum fällt er nicht schräg?“.

Nach dieser kurzen Verkostungs-Pause ging es über einen apfelbaum-gesäumten Weg, nahe an der ICE-Strecke vorbei (die hier in den Tunnel „Kulch“  eintaucht), zurück nach Untersiemau. Der ausgesuchte Weg mündete zunächst in den „Siemauer Sagen-Rundweg“, dessen letzte Station „Untersiemauer Doppelhochzeit“ noch an unserem Weg lag, und zwar am Untersiemauer Teich, dessen Umfeld zu einem dörflichen Naherholungszentrum (Abenteuerspielplatz, Grillplätze, Fahrradakku-Ladestation usw) neu gestaltet wurde. Ein kurzer Anstieg noch im Dorf, mit einem Blick auf das seit langem schon heruntergekommene „Obere Schloß“, und wir waren wieder zurück „am Heimatplaneten Erde“ nahe dem „Zentrum“ der Gravitation.

Zur Einkehr ging es zum „Haarther Keller“, von der „Sonne“ aus in Sichtweite, mit hervorragender bodenständiger Küche. Die Teilnehmer äußerten sich dankbar zur informativ geführten Wanderung.

Text/Fotos: Siegfried Scherbel