Unterwegs im „Coburger Himalaya“ (Siegfried)
Die „Langen Berge“ sind ein Höhenzug, der über ca. 15 km vom Autobahnaufstieg bei Beuerfeld/Unterlauter bis etwa nach Grattstadt/Veilsdorf reicht. Ein Großteil davon ist eine Hochfläche mit über 450 bis 527m üNN. Die Wanderung startete (hinterhalb Mirsdorfs) am Max-Müller-Tisch, einer mühlradartigen Granitplatte mit eingraviertem Kompass. Während die Fahrer die Shuttle-Fahrzeuge verbrachten, startete die Gruppe nach Windrad WEA1, wo die Fahrer wieder hinzukamen. Dort herrschte Baubetrieb mit entsprechendem Lärm und auch der Weg war von den Baufahrzeugen arg in Mitleidenschaft gezogen.

An der Mirsdorfer Kuppe
Am zweiten Waldeck gab es dann Gelegenheit für einen Erläuterungshalt und für die Fotodokumentation durch Patrizia. Anlass für diese Wanderstrecke war auch die Augenzeugenerfahrung des Windenergieausbaus im Coburger Land, der hier in Form von Ersetzung der Altanlagen durch moderne Windräder aktuell hautnah erlebbar ist. Inzwischen sind die Türme bis zu einer Höhe von etwa 100m Höhe erstellt. Nach einer weiteren Erhöhung auf etwa 170 m mit Hilfe eines entsprechenden Krans werden die WEAs bei einem Rotordurchmesser von ca 130 m eine Gesamthöhe von etwa 240 m erreichen. Dadurch ist eine Leistung von bis zu 7,5 MW (gegenüber nur 1 MW bisher) erreichbar. Siegfried erläuterte dies anschaulich. Die Gesamtkapazität soll in den ausgewiesenen Vorranggebieten im Landkreis in den nächsten Jahren auf ca. 150 MW (36 statt bisher 12 WEAs) ausgebaut werden.

Skyline der Thüringerwald-Höhen
WEA3 wurde an einem Waldrandweg passiert, mit Blick auf die Mirsdorfer Kuppe (525m üNN), einer eher unscheinbaren Erhebung über die Hochfläche, genau wie der Buchberg, mit 527 m üNN als höchster Erhebung im Landkreis Coburg.
Ist das Wanderwegnetz hin zur Alexandrinenhütte (auf der anderen Seite der A73) gut ausgeschildert, sieht es diesseits der Autobahn eher „dünn“ aus. Wir bewegten uns nach WEA3 weitgehend auf Asphalt, der allerdings nur geringfügig befahren wird. An der Solaranlage hinter der Mirsdorfer Kuppe hatte man wohltuenden Ausblick auf die Thüringerwald-Kette mit dem dominanten Bleßberg, westwärts in der Ferne konnten sogar Schneeberg und Ochsenkopf ausgemacht werden. Nach bisher kaum ansteigender Strecke ging es nur noch bergab, was als allgemein wohltuend empfunden wurde.

Kirche Rottenbach
Einen weiteren kurzen Halt gab es in Rottenbach. Auch hier gab Siegfried kurze Erläuterungen zur Geschichte. In Sonderheit gelangte 1919 durch eine „Volksabstimmung“ (mit 16 zu 7 Stimmen – bei ca 120 Einwohnern!) zu Coburg und damit zu Bayern. Rottenbach erfuhr überörtliche Bekanntheit nachdem es 1973 innerdeutscher Grenzübergang für den sogenannten „kleinen Grenzverkehr“ wurde.
Von da ging es dann, zunächst am „Schlösschen“ vorbei, einem privaten Biobetrieb-Anwesen, und dann im Talgrund des Lauterbaches auf dem Fahrrad- und Wander-Highway bequem hinunter bis nach Tremersdorf, von wo uns die Shuttle-Autos über die Serpentinenstraße wieder hinauf auf die Höhe brachten. Bei der Abfahrt von Mirsdorf hinunter nach Meeder lag schließlich noch das gesamte „Südpanorama“ mit Blick über weite Teile West-Oberfrankens vor uns.
Die Einkehr war im Landgasthaus „Else“ in Kösfeld, wo schon 10 Nichtwanderer auf die 14 Aktiven warteten, sodass der TN-Kreis 24 Personen betrug. Die Karte bot reichlich Bodenständiges. Didi lobte Siegfried ob seiner optimal gelungenen Wegplanung. Vielen war der Rottenbachtalgrund, eine Oase der Abgeschiedenheit und der Ruhe, noch unbekannt.
Text und Fotos: Siegfried Scherbel



