Wanderung Mürschnitzer Sack (Heidi und Günter Reichel)
Im August bestehen -vermeintlich- die geringsten Wetterprobleme: es ist halt Sommer. Die Reichels hatten das „Glück“, dass die Temperaturen bei 35 Grad plus x lagen. In Erwartung dieser hochsommerlichen Verhältnisse hatte sie eine Wanderstrecke im sogenannten „Mürschnitzer Sack“, mit hohem Schattenanteil ausgeguckt, die Streckenlänge war den Verhältnissen angemessen. Der „Mürschnitzer Sack“ ist ein näherungsweise rechteckiger Landstrich, nur ca 500m breit und etwa 1 km lang und „ragt“ von Thüringer Seite „in“ den Coburger Landkreis hinein bis an die Bebauungsgrenze von Wildenheid.
Start war am späteren Einkehrwirtshaus „Waldfriedensee“. Immerhin 11 Wanderer stellten sich der Hitze-Herausforderung. Durch die Siedlungsstraße ging es nordwärts. Ausgangs des Orts reihten sich Fischweiher an Fischweiher, die slalomgleich umkurvt wurden, auf eigens gemähten Pfaden. Schließlich erreichten wir ein Waldstück, in dessen Schatten wir Thüringer „Festland“ erreichten. Auf einem schattigen Dammweg zu dessen beiden Seiten unberührte Natur (Wasserflächen mit Totholz, Zeugnisse von Biberarbeit u.ä.) lag, querten wir quasi von Bayern nach Bayern durch Thüringen hindurch.

Auf dem inzwischen aufgelassenen Kolonnenweg, der in Zeiten deutscher Teilung den Mürschnitzer Sack als „Stichstraße“ erschloss, ging es notgedrungen schattenlos dahin, den dominanten Muppberg ständig vor Augen. Die Baumreihen im Norden, Osten und Westen und das Wäldchen nach Wildenheid zu gaben sichtlich die Begrenzung des Mürschnitzer Sacks an. Stellenweise war die Sicht frei auf Meilschnitz und das vorgelagerte Naturschutzgebiet „Meilschnitzer Wiesen“ und auch auf den Isaak-Höhenzug, an dessen Abhang der steil abfallende Kolonnenweg unterhalb des sog. „Generalsblick“ als Schneise erkennbar war (worauf Siegfried hinwies). Nach Erreichen des Wäldchens bei Wildenheid begleitete der ehemalige „Sicherheitsgraben“, ein Zeugnis der deutschen Teilung, ein stückweit den Weg. Bei der Brücke über die Meilschnitz schlugen wir uns „in die Büsche“ und folgten einem Trampelpfad entlang der Grenze Thüringen-Bayern bis zur Friedhofsmauer. Von hier aus wurde der Waldfriedensee auf einem Uferweg umrundet. Eine Mauer am Ostufer, eine kaum mehr grasige Liegewiese und das leerstehende Gebäude (ehemals Umkleiden und Wirtschaftsgebäude) zeugen noch vom ehemaligen Badebetrieb mit den damals bescheidenen Ansprüchen.

Endstation der Tour war der Biergarten Waldfriedensee. Angesichts der hohen Temperaturen verdunstete das erste Glas Bier geradezu. Die Lage am See und die Schatten spendenden Birken und Weiden machten den Aufenthalt angenehm. Günter hatte mit der Vorbestellung auch ganze Arbeit geleistet: Der Ausschank ging trotz Ein-Mann-Show flott (und „auf Rechnung“ – dies erstaunlich für einen Biergarten) und das Essen kam auch zügig. Geboten wurde bodenständige fränkische Kost mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Lediglich die 0,4-Liter-Krüge waren ein Tribut an die Linie „nördlich von Neustadt“, wie auf Nachfrage zu erfahren war.
Siegfried brachte noch die Laudatio auf Heidi und Günter aus, die eine gelungene, den Witterungsverhältnissen angepasste Wanderung ausgekundschaftet hatten: die Wegführung war keineswegs wohlfeil im Download zu haben. Und, wie schon erwähnt, war das Waldfriedenseelokal ein guter Griff. Die 15 Einkehrer quittierten das mit einem kräftigen „Prost“ auf das Wanderführerpaar.
Text und Fotos: Siegfried Scherbel

