Wanderung „Graatzer Spitzberg“  (Rosalinde & Siegfried)

Die September-Wanderstrecke war im Grenzbereich der Landkreise Coburg und Lichtenfels angesiedelt: Start für 12 Teilnehmer, darunter zwei holländische Gäste, war am Ortsrand von Trübenbach, einem Ortsteil der Gemeinde Weidhausen, die als kleinste Kommune (nur knapp 10 km²) des Landkreises Coburg einer der äußersten Zipfel dessen ist. Wanderziel war der Marktgraitzer Spitzberg auf Lichtenfelser Kreisgebiet, wie der größte Teil der Wanderstrecke, wiewohl uns durchgehend die Wandermarkierung mit dem Weidhäuser Gemeindewappen begleitete.

Erstes Etappenziel nach dem Trübenbacher Bolzplatz war das Dörfchen Oberreuth. Unmittelbar vor dem Ortsrand verläuft ein kleiner Wassergraben, der die Landkreisgrenze darstellt: Siegfried referierte dies von jenseits der „Grenzschranke“ den aktiven Wanderern diesseits. Man könnte auch fränkisch sagen: sie waren noch „hessn“, er war schon „gessn“.

Oberreuth hat eine nette Dorfkapelle, der ein kurzer Besuch abgestattet wurde. 500m nach dem Ort ging der Weg durch ein kleines Tälchen leicht bergan. Nach einem Waldstück führte der Feldweg, beidseits von einem mannshohen Maisfeld gesäumt, weiter leicht aufwärts bis zu einem Sattel. Ein Blick zurück erkannte die Ortschaften Schmölz und Beikheim. Nach weiteren 200m stand die Gruppe auf einem Wiesenhang, der den Blick aufs Main- und Rodachtal freigab. Dankbar wollten einige einen liegenden Baumstamm als Sitz verwenden. Der Stamm erwies sich aber als recht labil gelagert. Es war eh nur noch ein kleiner Anstieg zu nehmen um auf die Kuppe des Spitzbergs (371m üNN) zu gelangen.

Oberreuther Dorfkapelle

Siegfried verwies auf die Vielzahl von Mulden (offenbar von Bikern gern genutzt) und auf einige Blümchen am Wegesrand: bei den Mulden handelt es sich vermutlich um Zeugnisse von Gesteinsabbau, denn hier ist Feldspat im Gestein enthalten, welcher zur Glas- und Keramikherstellung gebraucht wurde. Bei den blauen Blümchen handelt es sich um Kalkastern, die Zeigerpflanzen für das Magerrasenareal „Spitzberg“ sind. Die Kuppe(!) wird im Rahmen eines Naturschutzprojekts auch durch Ziegen beweidet, um der Verbuschung entgegen zu wirken. Sowohl von der Ruhebank am Bergkreuz als auch von der benachbarten „Datscha“ aus bot sich ein herrlicher Rundblick: der Frankenwald hinter den Windrädern von Küps, der Kordigast, die im Tal liegenden Dörfer Marktzeuln, Zettlitz, Hochstadt, Wolfsloch, Trieb mit Nassanger und Karolinenhöhe. Schwürbitz schmiegte sich um seinen Hausberg, der aber Michelau und Lichtenfels verdeckte. In etwas weiterer Entfernung lagen die Eierberge, Kloster Banz und die Banzer Berge bis zur Kulch, sichtbar aus einer den meisten ungewohnten Perspektive. Die Wanderer ließen dieses Panorama „auf dem Tellerrand des Lichtenfelser Landkreises“ ausgiebig auf sich wirken.

Kalkastern

Der Rückweg nach Trübenbach hielt noch drei Wegmarken bereit: an der Marktgraitzer Marienkapelle wurden spontan die Ruhebänke genutzt, Gelegenheit für ein Gruppenfoto. Etwas später konnte der Blick über den Kronacher Knock-Sendemast hinaus Richtung Frankenwald schweifen und am anschließenden Wegstück „zutal“ ließ sich eine kurze Zeit der Bleßberg (867m) im Thüringerwald erkennen.

Nach knapp 11tausend Schritten (laut Rickys Schrittzähler) war der Ausgangspunkt und kurz darauf das Einkehrwirtshaus „Braunes Roß“ in Weidhausen erreicht (14 CTTler). Werner Heidenreich sprach den Dank an die Scherbels für die aussichtsreiche und „regenfrei gehaltene“ Wanderung aus und hieß nochmals das holländische Ehepaar, das schon mehrfach bei CTT-Wanderungen dabei war, willkommen. Siegfried hatte unterwegs schon scherzhaft darauf verwiesen, dass man „bei uns“ fast auf Talniveau bleiben kann, um auf Höhe des höchsten holländischen Bergs (Vaalser Berg > 340m üNN) sein.

Text und Fotos: Siegfried Scherbel